[Rezension] Troublemaker: Wie ich Hollywood und Scientology überlebte von Leah Remini

Nur Mut!




Buch von Leah Remini
Genre: Biografie
Erschienen: September 2016
Seiten: 280
Verlag: mvg Verlag
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Klappentext:


"Die Schauspielerin Leah Remini ist mit Scientology aufgewachsen. Da ihre Eltern dieser Sekte angehörten, wurde sie schon in ihrer frühen Kindheit indoktriniert. Auch auf ihrem harten Karriereweg – von der unbedeutenden Nebenrolle bis zum gefeierten Serienstar in King of Queens – wurde sie stets von Scientology begleitet. Als prominentes Mitglied der Sekte lernte sie auch Tom Cruise kennen und war sogar Gast auf dessen Hochzeit mit Katie Holmes.

Vor einigen Jahren begann Remini aber, die kontroversen Aktionen und Repressionen von Scientology zu hinterfragen, und wurde so zum "Troublemaker". Dadurch war sie nicht nur Zielscheibe von Angriffen, sondern Scientology sah sie sogar als Bedrohung. Schließlich brach sie 2013 endgültig mit der Glaubensgemeinschaft und verlor dadurch auch den Kontakt zu vielen Freunden.

Nun hat Remini ein Buch über diese Erlebnisse geschrieben und gibt unverfälschte und erschreckende Einblicke hinter die Kulissen von Scientology. In den USA schlug ihre Biografie große Wellen und avancierte dank der spannenden Story und der schockierenden Enthüllungen zum New York Times-Bestseller."



Meine Meinung:


Leah Remini kannte ich bisher nur als Schauspielerin in der Serie "King of Queens", in der sie über 9 Jahre lang an der Seite von Kevin James zu sehen war. Ein privates Interview hatte ich vorher noch nicht mir ihr gesehen, aber anhand ihrer Rolle der Carrie Heffernan die sie in der Sitcom hatte, stellte ich sie mir als quirlige, laute und humorvolle Person vor. Was sie auch in Wirklichkeit ist, alles ist also doch nicht gespielt. Genauso bestätigte sie mich mit ihrer Beschreibung ihres Kollegen Kevin James in meiner Meinung das er ein sympathischer, grundehrlicher Mensch ist. Auch wenn sie sich in den 9 Jahren am Set nicht immer einig waren, haben sie sich doch immer wieder versöhnt und Mr. James war stets auf ihrer Seite und hat zu ihr gehalten.

Bis zum Erscheinen des Buches wusste ich auch nicht, das sie Scientology angehört hatte. Die Neugierde auf die Sekte und auch wie Mrs. Remini wirklich ist hat mich sehr interessiert und darum musste ich das Buch lesen. Geschrieben ist das Buch aus ihrer Sicht in relativ einfachen Sätzen. Es liest sich leicht und man begleitet sie von ihrer Kindheit bis zu der Zeit in der sie das Buch geschrieben hat. Sie lässt manchmal ein paar witzige Anekdoten einfließen, die mir sehr gefielen, aber leider selten vorkommen.

 Leah Remini beginnt ihre Geschichte mit ihrer Kindheit. Sie beschreibt die Gegend in der sie aufwuchs, ihre Geschwister, Familie und natürlich wie alles mit der Sekte begann. Ihre Mutter trat ihr bei als sie noch ein Kind war und automatisch kamen ihre Schwester und sie selbst auch dazu. Vom Kindesalter an wurden ihr die Wert- und Glaubensvorstellungen der Kirche beigebracht. Was mich gleich als erstes überrascht und erschreckt hat, war die Tatsache, das Kinder dort genauso behandelt werden wie Erwachsene. Auch im weiteren Verlauf hat mich dieser Fakt noch öfter geschockt. Allgemein finde ich den kalten Umgang mit Kindern äußerst lieblos und befremdlich. Ein Aspekt der mir an Mrs. Remini sehr gefallen hat, war das sie dieses Verhalten nie akzeptiert und angenommen hat. Sie hatte schon als Kind versucht sich um ihre kleine Schwester zu kümmern und auch später hat sie ihr eigenes Kind nie mit der Kirche und ihren Methoden in Verbindung gebracht.

"Man sucht die Sicherheit einer Gruppe mit der gleichen Einstellung, und so wird die eigene Welt schnell zur Insel." Seite 191 ebook

Wie schwierig es ist sein Leben, Familie und die Kirche unter einen Hut zu bringen beschreibt sie im weiteren Verlauf ihrer Geschichte. Scientologin zu sein erfordert einen wahnsinnig großen Zeitaufwand. Man muss Kurse belegen, Auditings besuchen und sollte man aus irgendeinem Grund negativ auffallen, kommen endlose Security checks, Verhöre, Befragungen und weitere Kurse auf einen zu. Das Ganze gibt es natürlich nicht kostenlos. Das heißt, die Kurse gibt es nur für entsprechend viel Geld. Kann es nicht bezahlt werden, gibt es immer Möglichkeiten Kredite aufzunehmen. Demzufolge wuchs Leah Remini sehr arm auf und mit dem Plan eine erfolgreiche Schauspielerin zu werden damit sie alle versorgen kann, kämpfte sie sich durch nicht endend wollende Vorsprechen für verschiedene Rollen. Dabei zeigt sie nicht nur ihren Dickschädel, sondern auch ihre Kämpfernatur. Sie hat sich nie durch Misserfolg kleinkriegen lassen.

Gleich zu Beginn ihres Buches zählt sie ihre Schwächen und Fehler auf. Leah Remini ist nicht die Unschuld in Person, aber so hart wie sie mit sich selbst ins Gericht geht, würde ich es bei weitem nicht tun. Sie hat gelebt, Erfahrungen gesammelt und ihren Weg gefunden. Da gehören Fehler mit dazu. Eine Ansicht der Kirche ist, das Scientologen an negativen Dingen in ihrem Leben immer selbst Schuld sind, selbst wenn es von einer anderen Person ausgeht wird nach der Ursache bei sich selbst gesucht. Das hat nichts mehr mit normaler Selbstreflexion zu tun, sondern geht so weit, sich mit Selbstzweifeln zu zerfleischen. Von Vergebung sich selbst gegenüber keine Rede. Das fühlt man beim Lesen ganz stark mit und ich musste ein paar Tränen verdrücken, weil sie zu sich selbst so grausam ist.

Und das ist noch eine der harmlosen Lehren der Kirche. Die Mitglieder werden ausgenommen in jeder Hinsicht. Je nachdem welche Stufe man erreichen will, umso höher, umso schlimmer die Vorgehensweisen. Es ist die Rede von Arbeitslagern, Folter und Schlägen. Ehemalige Führungsmitlglieder die sich freiwillig in einer Art Gefängnis oder Lager aufhalten, weil sie nicht mehr ein noch aus wissen. Die Rehabilitierungseinheit, kurz RPF, ist der Gipfel der Strafen und es konnte passieren, das Mitglieder dort Monate oder Jahre zubrachten.

"Mike befolgte ein von LRH (L. Ron Hubbard) praktiziertes Prinzip, das Überbordwerfen: Man warf ein Mitglied der Mannschaft über Bord, um es zu maßregeln." Seite 39 ebook

"Rehabilitierungseinheit [...] bei über 40 Grad, mussten Männer, Frauen und auch die Kinder von Kopf bis Fuß Schwarz tragen, da sie schwere MEST-Arbeit verrichteten. (MEST ist ein Akronym für Matter, Energy, Space und Time, also Materie, Energie, Raum und Zeit - das physikalische Universum.) Dazu gehörte es, die Fettabschneider in der Küche zu säubern oder die Müllcontainer zu schrubben. [...] Sie mussten jeden Weg im Laufschritt zurücklegen - aufs Klo, in die Küche, überallhin." Seite 49 ebook 
Mrs. Remini beschreibt immer wieder Situationen die sie zweifeln ließen. Ein großer Punkt hierbei war die Hochzeit von Tom Cruise und Katie Holmes, die ebenfalls der Sekte angehören. Dort lief einiges schief und es hatte sie jede Menge Nerven und Geld gekostet das alles wieder auszubügeln. Ihre Schilderungen sind so unglaublich, was sie alles durchmachen musste und das weil sie genau das getan hatte was die Kirche verlangte. Die Doppelmoral schreit zum Himmel. Ich bewundere mit welcher Zähigkeit sie sich da durchgebissen hat und auf die Wahrheit bestanden hat.

Ihren Mann hat sie nicht unter den besten Umständen kennengelernt und auch er ist wohl kein Engel. Respekt an beide, das sie alles so offen gelegt haben. Fehler macht jeder, das ist menschlich und wer bin ich darüber zu richten. Ich freue mich, das sie zueinander gefunden haben und glücklich sind. Letztendlich hat ihre Familie zu ihr gehalten, was nicht selbstverständlich ist. Einmal von Scientology zur Abtrünnigen erklärt, müssen alle Mitglieder sich von dieser "unterdrückerischen Person", so die Bezeichnung dafür, abwenden und jeglichen Kontakt abbrechen. Eine schwerwiegende Entscheidung, wer wird wirklich zu einem halten? Steht man am Ende ganz alleine da? Wahrscheinlich, aber dafür erlangt man seine geistige Freiheit und seine Unabhängigkeit wieder.

"Nachdem ich über 30 Jahre lang in bestimmten Bahnen gedacht hatte und mir meine Gedanken von strengen Grundsätzen vorgegeben worden waren, fiel es mir nicht leicht zu lernen, selbstständig zu denken und eigene Entscheidungen zu treffen." Seite 223 ebook

Es muss nicht unbedingt eine Sekte sein, wie viele befinden sich in ungesunden Abhängigkeiten in Freundschaften, Beziehungen, Familien? Das Thema lässt sich leicht auf andere übertragen und deswegen finde ich Mrs Reminis Geschichte so inspirierend. Ich kann euch dieses Buch wirklich sehr empfehlen!

Kommentare

Das Buch klingt echt spannend. Ich kenne sie bisher auch nur aus der Serie.
Sonja Béland hat gesagt…
Ist wirklich wert es zu lesen. Ich liebe ja King of Queens 😊
Chrissis Federecke hat gesagt…
Bis gerade eben wusste ich auch nicht dass sie bei Scientology war, kannte sie auch nur aus King of Queens.
Klingt wahnsinnig interessant.

Beste Grüße
Chrissi
Sonja Béland hat gesagt…
Das ist es! Sie hatte die Kirche stark von ihrem restlichen Leben getrennt gehalten und wollte auch nicht das es jemand erfährt. Sie hat für ihren Erfolg so hart arbeiten müssen und wollte sich das nicht kaputt machen lassen indem jemand sagt, das hätte sie Scientology zu verdanken.

Liebe Grüße
Lieblingsleseplatz hat gesagt…
Das klingt wirklich interessant! Dafür liebe die Buchbloggerszene - immer wieder bekommt man selber tolle Buchtipps ;-)
Liebe Grüße,
Verena via #litnetzwerk
Sonja Béland hat gesagt…
Hallo Verena,

Ja, das finde ich auch so toll! Wenn du mal Abwechslung brauchst, kann ich Troublemaker sehr empfehlen.

Liebe Grüße
Sonja
Daniela von Buchvogel hat gesagt…
Da ich die Serie nicht kenne, kenne ich auch die Schauspielerin/Autorin nicht. Es klingt aber bestürzend und teilweise unfassbar, was sie über die Sekte erzählt. Scientology ist ja keine "normale" Kirche, wie hier die Menschen unterdrückt, repressiert etc werden nach deinen Zitaten, das ist unfassbar.
Danke für diese Vorstellung, ich mag solche tatsächlichen Erlebnisberichte sehr, auch wenn es manchmal nicht so auszuhalten ist.
LG
Daniela, der Buchvogel
über #litnetzwerk
Sonja Béland hat gesagt…
Hallo Daniela,

Wenn du mal eine witzige Sitcom schauen willst, kann ich dir King of Queens sehr empfehlen. Jerry Stiller, der Vater von Ben Stiller, spielt seine Rolle als Carries Vater einfach köstlich.

Die Zustände in der Kirche sind echt nicht normal und das ganze Ausmaß noch unfassbarer.

Liebe Grüße
Sonja
Tanja Buchinger hat gesagt…
Hallo liebe Sonja,

Deine Rezension passt ja zeitlich bestens :) denn vor wenigen Tagen habe ich begonnen "King of Queens" (gefühlt mindestens zum zehnten mal) anzusehen. Alleine was ich durch den Klappentext Deines Posts entnommen habe, war mir nicht bewusst.
Das sind ja schockierende Fakten.

Deine letzten Sätze kann ich nur unterschreiben.
Abhängigkeiten gibt es in so vielen und erschütternden Formen...
Du hast es geschafft mich neugierig zu machen, daher danke ich Dir für Deine Rezi.

Liebe Grüße und einen stressfreien Montag für Dich,
Tanja
Sonja Béland hat gesagt…
Liebe Tanja,

Die Serie ist auch Klasse! Ich muss sie mir endlich mal besorgen und auch wieder schaun.

Sie hat mich mit ihrer Geschichte sehr beeindruckt. Ich denke es wird dir auch gefallen.

Danke, wünsch ich dir auch ❤

Liebe Grüße
Sonja

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